Eintreten für die Werte Europas
Sächsische Delegationsreise mit Vertretern der christlichen Kirchen und Repräsentanten der Landespolitik nach Brüssel - vom 5. bis 8. Mai 2026
Dresden/Brüssel. Zu Gesprächen und Begegnungen mit Vertretern der Europäischen Union reist vom 5. bis 8. Mai eine ökumenische Delegation sächsischer Kirchenvertreterinnen und -vertreter gemeinsam mit Mitgliedern der Staatsregierung des Freistaates Sachsen nach Brüssel. Die Reise setzt ein Zeichen für die Unterstützung europäischer Werte und soll die Verbindung zwischen Sachsen und der europäischen Ebene stärken. Zugleich knüpft sie an das 30-jährige Bestehen der Staatskirchenverträge in Sachsen an.
Das Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Sachsen wurde am 2. Juli 1996 geschlossen, der evangelische Staatskirchenvertrag bereits am 24. März 1994. Beide Vereinbarungen haben das Verhältnis von Kirche und Staat im Ausgleich zwischen staatlichen und religiösen Interessen dauerhaft auf eine stabile Grundlage gestellt.
Der 18-köpfigen Delegation gehören neben Heinrich Timmerevers (Bischof von Dresden-Meißen) und Hans-Peter Vollbach (Präsident des Ev.-Luth. Landeskirchenamtes Sachsens) auch die Sächsischen Staatsministerinnen Prof. Constanze Geiert (Justiz) sowie Regina Kraushaar (Infrastruktur und Landesentwicklung) an. Zudem nehmen leitende Vertreter des Bistums Dresden-Meißen und des Landeskirchenamtes der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens sowie Dr. Daniela Pscheida-Überreiter und Christoph Seele als Leiter des Katholischen beziehungsweise des Evangelischen Büros Sachsen teil. Weitere Repräsentanten aus Kirche und Politik begleiten die Delegation.
Die Resilienz Europas stärken
Zum Grundgedanken der Reise sagt Bischof Heinrich Timmerevers: „Europa steht unter Druck. Von außen durch autoritäre Systeme und neue Machtblöcke, von innen durch Populismus, Polarisierung und nationalistische Reflexe. Resilienz entsteht durch Vertrauen und Bindung: durch starke Regionen, eine unabhängige Justiz und eine lebendige Demokratie. Dazu tragen auch Kirchen und Religionsgemeinschaften bei, die daran erinnern, dass der Mensch mehr ist als Konsument, Wähler oder Arbeitskraft.“
Landeskirchenamts-Präsident Hans-Peter Vollbach erklärt: „Gemeinschaft entsteht durch Gemeinsamkeit, durch gemeinsames Erleben und durch gemeinsame Gespräche. Ein solches Miteinander muss gelebt werden, um auch in schwierigen Situationen tragfähig und belastbar zu sein."
Staatsministerin Constanze Geiert sagt: „Die Europäisch Union gründet auf einem gemeinsamen Wertfundament ihrer Mitgliedstaaten. Demokratie, Rechtsstaat und Grundrechte sind nicht nur tragende Prinzipien unserer europäischen Zusammenarbeit, sondern auch die Brücke für einen starken Dialog zwischen Kirchen und der Europäischen Union. Die Delegationsreise macht deutlich, dass sich Sachsen an diesem Dialog aktiv beteiligt.“
Staatsministerin Regina Kraushaar erklärt: „Resilienz – das heißt, die Fähigkeit, Herausforderungen und Belastungen gut zu bewältigen und dabei noch stärker zu werden – entsteht nicht nur durch Programme und Haushaltslinien. Sie entsteht im Tun. Wenn Menschen Verantwortung übernehmen, wenn Kommunen handlungsfähig sind, wenn Dörfer und Städte zusammenhalten und wenn Nachbarn über Grenzen hinweg zusammenarbeiten. Genau deshalb braucht Europa starke Regionen.“
Austausch mit europäischen Akteuren
Auf dem Programm stehen zahlreiche Begegnungen mit Vertretern der EU-Institutionen. Am 5. und 6. Mai besucht die Delegation das Europäische Parlament und trifft dort die sächsischen Europaabgeordneten Oliver Schenk (CDU) und Matthias Ecke (SPD). Gespräche sind zudem mit Thomas Wobben und Carmen Schmidle vom Ausschuss der Regionen vorgesehen.
In der Deutschen Botschaft in Brüssel ist ein Austausch mit Botschafter Martin Kotthaus geplant. Mit Marco La Marca aus dem Kabinett von EU-Kommissarin Dubravka Šuica werden unter anderem Fragen und Herausforderungen demographischer Verschiebungen in Europa und der Generationengerechtigkeit thematisiert.
Ein weiterer Höhepunkt ist ein Empfang am Mittwochabend in der Vertretung des Freistaates Sachsen bei der Europäischen Union. Unter dem Titel „Wie resilient ist Europa? Was Kirchen, Justiz und starke Regionen beitragen können“ diskutieren dort Vertreter aus Politik und Kirche, darunter Benjamin Hartmann (Kabinett von Kommissar Andrius Kubilius), die Staatsministerinnen Regina Kraushaar und Constanze Geiert sowie Katrin Hatzinger, Leiterin des Brüsseler Büros der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Besuch der EU-Kommission
Am Donnerstag, 7. Mai, steht ein Besuch der Europäischen Kommission auf dem Programm. Prof. Dr. Clemens Ladenburger, stellvertretender Generaldirektor des Juristischen Dienstes, führt die Delegation durch die Institution. Weitere Gespräche sind mit Lukas Gassner aus dem Team von EU-Kommissar Magnus Brunner zum Dialog der Europäischen Union mit den Religionsgemeinschaften sowie mit den Europaabgeordneten Anna Cavazzini (Bündnis 90/Die Grünen) und Oliver Schenk geplant. Auch Begegnungen mit Peter Liese (CDU), Bernd Lange (SPD) und Manfred Weber (CSU) sind angefragt.
Mit Ralph Kaessner vom Generalsekretariat des Rates der Europäischen Union wird die Delegation Fragen zu Grundrechten, Grundwerten und Rechtsstaatlichkeit erörtern.
Den Abschluss der Reise bilden weitere Gespräche mit kirchlichen Akteuren in Brüssel sowie eine Begegnung mit Luc Terlinden, Erzbischof von Mecheln-Brüssel. Die Delegationsreise endet am Freitagmittag mit einem ökumenischen Gottesdienst in der „Chapel for Europe“. Die Predigt hält Oberlandeskirchenrätin Margrit Klatte, die den sächsischen Landesbischof bei dieser Reise vertritt.