Filmtipp: Triegel trifft Cranach
Malen im Widerstreit der Zeiten
Leipzig. „Da musst du bockig sein!“, hat einer seiner Lehrer, Ulrich Hachulla (*1943), mal zu Michael Triegels figürlichem Malstil gesagt. Das war in den frühen 90er-Jahren an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, der HGB Leipzig. Nun untersucht der in Sachen „Kunst“ routinierte Dokumentarfilmer Paul Smaczny („Die Thomaner“, 2011) das Zusammentreffen von Michael Triegels Kunst im 21. mit der figürlichen Kunst von Lucas Cranach dem Älteren im 16. Jahrhundert. Gegenstand ist die Gestaltung des mittleren Altarretabels im Naumburger Dom durch Triegel. Beim Malen in seinem Atelier wird durch den „Papstmaler“ Triegel – er malte Papst Benedikt XVI. im Jahr 2010 – philosophiert, theologisiert und über Malstile reflektiert.
Das erfolgt in großer Ruhe und nahezu familiär. Nicht nur deshalb, weil als Modelle Tochter und Ehefrau zum Einsatz kommen. Natürlich geht es auch um die Kontroversen um Triegels Altarwerk im Naumburger Dom. Denn die UNESCO wollte schon durch die Aberkennung des Weltkulturerbe-Titels „reinfunken“ (wegen der Nähe zur berühmten „Uta“), aber da wurde schließlich im Sommer 2025 ein Kompromiss gefunden. Vielleicht kommt deshalb erst jetzt – drei Jahre nach Fertigstellung! – dieser auch bildgewaltige Dokumentarfilm in die Kinos.
Man erfährt viel über Michael Triegel selbst: Er ist Thüringer, hat 1987 Abitur gemacht und dann hat er in die „Wende“ hinein in Leipzig Malerei studiert. Das bewertet der Maler als „Glücksfall“. Denn im Unterschied zu seinen Lehrern konnte Triegel seine Vorbilder – wie beispielsweise Leonardo da Vinci (1452–1519) – in Italien selbst „studieren“ und dort (speziell in einer römischen Kirche) entstand wohl auch der Wunsch, katholisch zu werden. Seine katholische Taufe im Jahr 2014 erklärt Triegel im Film sehr einleuchtend und ruhig.
Als „katholischer Maler“ wird Michael Triegel (*1968) auch bei der Einweihung des geschaffenen Altarwerks neben dem protestantischen Maler Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553) benannt – von einem „ökumenischen Ereignis“ wird da gesprochen. Aber im Film geht’s um mehr als um „Konfessionskunde“. Der Maler spricht von „zum Sehen geboren“ und „zum Schauen bereit“ und von „der Kunst als Zumutung“.
Die über 100 Filmminuten habe ich kaum gemerkt. Denn „Triegel trifft Cranach – Malen im Widerstreit der Zeiten“ erweist sich als spannende kunsthistorische Stippvisite durch fünfhundert Jahre Kunstgeschichte – einfach anschauen!
Thomas Bohne, Mitglied der Katholischen Filmkommission
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift KOMPASS
- Zeitschrift des Katholischen Militärbischofs für die Deutsche Bundeswehr -
Triegel trifft Cranach – Malen im Widerstreit der Zeiten
Produktion: Dokumentarfilm, Deutschland 2023
Regie: Paul Smaczny
Laufzeit: 107 Minuten
Kinostart: 5. Februar 2026