Grenzen im Kopf, im Land, in der Erinnerung
Ines Geipel spricht am Freitag, 10. April, bei den Bautzener Reden
Bautzen. Die renommierte Schriftstellerin und Publizistin Ines Geipel ist am Freitag, 10. April 2026, um 19 Uhr zu Gast bei den Bautzener Reden im Dom St. Petri. Unter dem Titel „Grenzziehungen – Konflikt, Ressource oder Labor?“ widmet sie sich einem der zentralen Themen unserer Gegenwart: den sichtbaren und unsichtbaren Grenzen in Gesellschaft und Erinnerung.
Die Bautzener Reden stehen seit ihrer Gründung für pointierte Beiträge aus Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Mit Ines Geipel kommt eine der profiliertesten Stimmen zur ostdeutschen Gegenwart und Erinnerungskultur nach Bautzen. In ihrem aktuellen Buch „Fabelland“ untersucht sie die Nachwirkungen der deutschen Teilung, die Umbrüche nach 1989 und die bis heute spürbaren Spannungen zwischen Ost und West.
Ines Geipel, 1960 in Dresden geboren, war in der DDR Leistungssportlerin und selbst vom staatlichen Dopingsystem betroffen. 1989 floh sie in die Bundesrepublik und studierte anschließend Philosophie und Soziologie. Seit den 1990er-Jahren prägt sie als Autorin und Wissenschaftlerin die Debatten über deutsche Gewaltgeschichte, Diktaturerfahrungen und Erinnerungskultur. Von 2001 bis 2025 war sie Professorin an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Für ihr Engagement wurde sie unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz sowie dem Lessing-Preis für Kritik ausgezeichnet.
Wie Grenzen entstehen und fortwirken
Im Zentrum ihres Vortrags steht die Frage, wie Grenzen entstehen und fortwirken: als politische Linien, als mentale Prägungen oder als Brüche in individuellen Biografien. Sind Grenzziehungen Auslöser von Konflikten – oder zugleich Räume der Erkenntnis? Die Wissenschaftlerin versteht sie als historische Erfahrung ebenso wie als gegenwärtiges „Labor“ gesellschaftlicher Selbstverständigung. Ihre Perspektive verbindet persönliche Erfahrung mit analytischer Schärfe. Sie beleuchtet, wie tief sich historische Brüche in das individuelle und kollektive Gedächtnis eingeschrieben haben – und welche Herausforderungen sich daraus für den Zustand der deutschen Einheit ergeben.
Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Bautzener Reden“, die seit November 2022 von der Initiative Bautzen gemeinsam in Kooperation mit dem Ökumenischen Domladen Bautzen organisiert wird. Ziel ist es, gesellschaftspolitische Orientierung zu bieten, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen und Impulse für ein demokratisches, respektvolles Miteinander zu setzen. Für ihr Engagement wurde die Initiative 2023 mit dem bundesweiten Preis „machen!“ ausgezeichnet.
Weitere Informationen sowie eine Übersicht bisheriger Veranstaltungen finden Sie unter:
www.bautzen-gemeinsam.de