"Priester werden? Für mich nicht immer klar. Die Vorstellung hatte ich allerdings schon lange."
Weihekandidat Karim Habib Gehrmann stellt sich vor
Am Samstag, 30. Mai 2026, empfängt Karim Habib Gehrmann (29) durch Bischof Heinrich Timmerevers die Priesterweihe. Die Heilige Messe in der Dresdner Kathedrale beginnt um 10.30 Uhr. Seinen bisherigen Lebensweg schildert er mit eigenen Worten.
„Mein Name ist Karim Habib Gehrmann, ich bin 29 Jahre alt und in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Schirgiswalde aufgewachsen. Ich habe neun Schwestern und einen Bruder und bin klassisch katholisch sozialisiert worden – als Messdiener und durch die Jugendarbeit in der Gemeinde. Viele Jahre war ich im Dekanatshelferkreis tätig, außerdem zwei Jahre lang Sprecher im Bistumsjugendhelferkreis. Dort gehörten die Planung und Durchführung von Jugendveranstaltungen auf Dekanats- und Bistumsebene zu meinen Aufgaben.
Das Hineinwachsen in die Kirche war und ist Teil meines Lebens. Sie ist für mich zu einer Heimat geworden, in der ich Geborgenheit, Liebe und Wertschätzung erfahren habe. Kirche ist eben nicht nur ein Ort oder ein Gebäude, sondern jeder einzelne Mensch gestaltet als lebendiger Stein Kirche vor Ort mit. Diese Tatsache hat mich schon immer sehr fasziniert.
Vor dem Studium absolvierte ich zunächst eine zweijährige Ausbildung zum Sozialassistenten und anschließend eine dreijährige Ausbildung zum Erzieher. Diese Ausbildungen sind mir heute eine große Hilfe im Umgang mit Kindern und Jugendlichen – sei es bei Ministrantentagen, Proben, Religiösen Kinderwochen, Jugendabenden oder Gesprächen. Nach der Ausbildung begann ich das Theologiestudium. Zunächst absolvierte ich das Propädeutikum in Bamberg, anschließend studierte ich vier Jahre im überdiözesanen Priesterseminar in Lantershofen.
Als Kind Heilige Messe gespielt mit Goldvasen
Der Weg, Priester zu werden, war für mich nicht immer ganz klar. Die Idee und die Vorstellung dazu hatte ich allerdings schon sehr lange. Bereits in der Grundschule habe ich formuliert, dass ich gern einmal Priester werden möchte. Als Kind habe ich zuhause mit meiner Familie immer wieder Heilige Messe gespielt – mit Gurkenscheiben und Goldvasen. Das hat uns große Freude bereitet. Ich stelle bis heute fest, dass diese Freude auch viele andere geteilt haben, die später Priester geworden sind.
Das Gebet, ein christliches Miteinander in der Familie, die sonntäglichen Gottesdienste und das kirchliche Engagement gehörten selbstverständlich zu unserem Leben und haben meine Identität geprägt.
Als Jugendlicher rückten andere Dinge in den Vordergrund
In meiner Jugendzeit habe ich das allerdings nicht immer so klar gesehen. Gerade in der achten bis zehnten Klasse waren viele andere Dinge wichtiger: Klassenkameraden, der Klassenclown zu sein oder Lehrer zu ärgern. Entsprechend waren dann auch die Noten, sodass die Frage nach einem Studium zunächst gar nicht im Raum stand und auch die Motivation dafür fehlte. Zumal Theologie kein einfaches Studienfach ist. Ich glaube, wenn einige meiner damaligen Lehrer heute wüssten, was ich mache, würden sie es kaum glauben. Ich war wirklich ein anstrengender Schüler.
Nach der Schule war für mich dennoch klar, dass ich gern mit Menschen arbeiten möchte. Deshalb begann ich zunächst eine Ausbildung, in der ich in verschiedene Berufe hineinschnuppern konnte. Als Sozialassistent arbeitet man in unterschiedlichen caritativen und sozialen Einrichtungen wie Pflegeheimen, Kindergärten oder Schulen. All diese Bereiche haben mir sehr gefallen und ich habe die Arbeit mit den Menschen geliebt. Dennoch kam immer wieder die Frage nach dem „Mehr“ in mir auf – mehr von Gott und mehr Kirche.
Durch meine verschiedenen Tätigkeiten in der Kirche, die ich auch während der Ausbildungszeit weitergeführt habe, bin ich immer wieder wunderbaren Menschen begegnet – Priestern, Ordensleuten und Ehrenamtlichen –, die mir Vorbild waren und mich tief geprägt und verändert haben.
Erfahrung: Gott gibt mir Kraft
In mir entstand schließlich der Gedanke, diesen Weg selbst zu gehen. Ich nahm all das mit ins Gebet und bat Gott um ein Zeichen, damit ich sicher sein könne, diesen Weg wirklich gehen zu sollen. Ich bin diesen Weg dann gegangen. Der Weg des Studiums und der Vorbereitung verlief allerdings nicht immer geradeaus. Es gab Herausforderungen und Dinge, die überwunden werden mussten.
Doch all das habe ich nicht allein geschafft. Ich habe es vor allem geschafft, weil Gott mir Kraft und Mut geschenkt hat, weil viele Menschen mich begleitet und im Gebet getragen haben und weil ich durch meine Familie und zahlreiche Wegbegleiter immer Unterstützung erfahren durfte.
Diese Wertschätzung, Liebe und Fürsorge möchte ich auch anderen Menschen weitergeben. Ich möchte Menschen so annehmen, wie sie sind, und ihnen durch die Sakramente und die Verkündigung Gottes Liebe sichtbar machen. Durch die Sakramente, die Gemeinschaft und die Kirche habe ich erfahren, dass Gott mein Leben verändert hat. Gerade angesichts des schlechten Lichtes, in dem Kirche heute oft gesehen wird, möchte ich diese Erfahrung in die Welt tragen.
Seit August 2024 arbeite ich als Diakon in der Pfarrei Heilige Mutter Teresa in Chemnitz. Mein Schwerpunkt liegt in der Kinder- und Jugendarbeit. Daneben gehören auch Krankenbesuche, Krankenkommunion, Gottesdienste sowie die Planung und Organisation von Veranstaltungen zu meinen Aufgaben. Die konkrete Begleitung von Menschen im Glauben und auch das Interesse neugieriger Menschen beeindrucken mich immer wieder. Besonders die Begleitung junger Menschen in Glaubenskursen bereitet mir große Freude.
Auch die Arbeit in sozialen Medien wie Instagram ist mir ein großes Anliegen, um auf diesem Weg die Botschaft Jesu in die Welt zu tragen. Deshalb versuche ich mit meinem Account, diese moderne Form der Verkündigung zu nutzen.“
Diakon Karim Habib Gehrmann