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Bistum Dresden Meissen
Bei den Gesprächen in Brüssel. © Daniela Pscheida-Überreiter
07. Mai 2026

Sächsische Delegation wirbt in Brüssel für ein starkes und werteorientiertes Europa

Gespräche in Europäischen Institutionen und Themenabend zur Resilienz Europas

Brüssel. Die sächsische Delegation aus Vertreterinnen und Vertretern von Kirche, Politik und Verwaltung hat am Mittwoch ihre Gespräche in Brüssel fortgesetzt. Im Mittelpunkt des zweiten Reisetages standen Begegnungen mit Akteuren der Europäischen Union sowie ein Themenabend zur Frage nach der Resilienz Europas in der Vertretung des Freistaates Sachsen bei der Europäischen Union.

Am Morgen besuchte die Delegation das Europäische Parlament. Dort tauschten sich die Teilnehmenden zunächst mit dem sächsischen Europaabgeordneten Matthias Ecke (SPD) über aktuelle politische Herausforderungen in Europa, die Rolle der Regionen sowie die Bedeutung demokratischer Institutionen aus. Anschließend folgte ein Gespräch im Ausschuss der Regionen mit Direktor Thomas Wobben und Kabinettschefin Carmen Schmidle. Dabei standen insbesondere die Bedeutung starker Regionen für die Zukunft Europas sowie Fragen kommunaler Handlungsfähigkeit im Mittelpunkt.

In der Deutschen Botschaft in Brüssel empfing Botschafter Martin Kotthaus die Delegation zu einem Gespräch und gemeinsamen Mittagessen. Thematisiert wurden die gegenwärtigen europäischen Herausforderungen ebenso wie die Verantwortung Deutschlands und der Regionen für den Zusammenhalt in Europa.

Am Nachmittag setzte die Delegation ihre Gespräche in der Europäischen Kommission fort. Im Austausch mit Marco La Marca aus dem Kabinett von EU-Kommissarin Dubravka Šuica ging es insbesondere um demographische Entwicklungen in Europa, Fragen der Generationengerechtigkeit sowie den Dialog der Europäischen Union mit Religionsgemeinschaften.

Bischof Timmerevers betont Bedeutung von Vielfalt, Verantwortung und Zusammenhalt in Europa

Den Höhepunkt des Tages bildete am Abend ein Empfang mit Themenabend in der Vertretung des Freistaates Sachsen bei der Europäischen Union. Unter der Überschrift „Wie resilient ist Europa? Was Kirchen, Justiz und starke Regionen beitragen können“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kirche und europäischen Institutionen über die Widerstandskraft Europas in Zeiten gesellschaftlicher und geopolitischer Herausforderungen. Zu den Podiumsgästen gehörten Benjamin Hartmann aus dem Kabinett von EU-Kommissar Andrius Kubilius, die sächsischen Staatsministerinnen Regina Kraushaar und Prof. Constanze Geiert sowie Katrin Hatzinger, Leiterin des Brüsseler Büros der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Zu Beginn des Abends richtete Bischof Heinrich Timmerevers ein Grußwort an die Gäste. Er war erst am Mittwoch zur Delegation gestoßen, nachdem er am Vortag aufgrund der Ereignisse rund um die Amokfahrt in Leipzig zunächst am dortigen Gedenkgottesdienst teilgenommen hatte.

In seiner Ansprache spannte der Bischof den Bogen zwischen Vielfalt und Zusammenhalt in Europa. Ausgehend vom Wortspiel „bunt“ und „Bund“ beschrieb er Europa als Gemeinschaft der Verschiedenen, die durch gemeinsame Werte und verbindliche Strukturen zusammengehalten werde. Vielfalt allein stifte noch keine Gemeinschaft, sagte Timmerevers. Es brauche Verlässlichkeit, Verantwortung und den Willen zur Zusammenarbeit.

Mit Blick auf die Staatskirchenverträge in Sachsen erinnerte der Bischof daran, dass diese weit mehr seien als juristische Vereinbarungen. Sie stünden für ein geregeltes und freiheitliches Miteinander von Kirche und Staat. Gerade in Ostdeutschland sei dieses partnerschaftliche Verhältnis nach den Erfahrungen von Diktatur und ideologischer Bevormundung keine Selbstverständlichkeit gewesen.

Zugleich betonte Bischof Timmerevers die Bedeutung Europas als Wertegemeinschaft. Menschenwürde, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit seien tragende Grundlagen des europäischen Hauses. Europa stehe jedoch unter Druck – von außen durch autoritäre Systeme und von innen durch Polarisierung und nationalistische Tendenzen. Resilienz entstehe deshalb nicht allein durch Stärke, sondern vor allem durch Vertrauen, Bindung und gemeinsame Verantwortung.

Kirchen könnten einen wichtigen Beitrag leisten: durch Erinnerung an die unantastbare Würde jedes Menschen, durch Orientierung an Gerechtigkeit und durch Hoffnung in einer zunehmend verunsicherten Welt.

Die Delegationsreise wird am Donnerstag mit weiteren Gesprächen in der Europäischen Kommission, im Europäischen Parlament sowie mit kirchlichen Akteuren in Brüssel fortgesetzt.

Text: Michael Baudisch
Fotos: Dr. Daniela Pscheida-Überreiter

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