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Bistum Dresden Meissen
Plädiert für einen gerechten Frieden in der Ukraine: Margot Käßmann. © Julia Baumgart Photography
26. Februar 2025

Wie wird endlich Friede?

Akademie-Podcast mit Margot Käßmann anlässlich von drei Jahren Krieg in der Ukraine

Dresden. Die Initiative des US-Präsidenten Donald Trump zur Beendigung des Kriegs in der Ukraine kann nach Ansicht der evangelischen Theologin Margot Käßmann nicht die Lösung sein. „Ich bin seit langem dafür, dass es möglichst schnell einen Waffenstillstand gibt, aber was sich da gerade entwickelt, ist doch irritierend bis besorgniserregend“, sagte sie am Samstag im Podcast „Mit Herz und Haltung“ der Katholischen Akademie Dresden und der Herder Korrespondenz. Am 24. Februar 2022 hatte Russland die Ukraine angegriffen, seitdem herrscht Krieg.

Es sei bitter, dass seit Kriegsbeginn vor genau drei Jahren so viele Menschen ihr Leben gelassen hätten und nun möglicherweise von den USA gemeinsam mit Russland ein Frieden diktiert werde, so Käßmann. „Ich denke, das ist von allen möglichen Lösungen die schlechteste.“ Sie glaube nicht, dass Trump und Putin einen langfristigen Frieden in der Ukraine im Blick hätten. Es gehe um schnelle Lösungen und einen Deal, der den USA Zugriff auf Rohstoffe in der Ukraine verschaffe: „Das sieht nicht danach aus, als ob es zu einem gerechten Frieden auf diese Weise kommen könnte und das ist nicht der Friede, den ich mir für die Ukraine wünsche“, sagte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Käßmann zeigte sich enttäuscht, dass es den Kirchen auf internationaler Ebene nicht gelungen sei, mehr für einen Frieden in der Ukraine zu erreichen und zu vermitteln. Das sei eine „bittere Erkenntnis“ nach vielen Jahrzehnten der Zusammenarbeit auch mit der russisch-orthodoxen Kirche. In der sicherheitspolitischen Debatte, wie auf die Bedrohung durch Russland zu reagieren sei, plädiert Käßmann dennoch weiterhin für Zurückhaltung: „Ich wünsche mir, dass darüber nachgedacht wird, ob wirklich ständig nur eine Debatte über noch mehr Waffen, Waffenlieferungen […] und Investitionen in Rüstungsprogramme das Ziel sein kann oder ob nicht der Versuch da sein muss, dass Deutschland sich ganz stark macht für Abrüstung, für Verhandlungen, für Diplomatie, für den Versuch, vertrauensbildende Maßnahmen in ganz Europa wieder möglich zu machen.“

Mit Blick auf die defensive Position des Pazifismus im gegenwärtigen Diskurs mahnt die ehemalige Präsidentin der Zentralstelle für Kriegsdienstverweigerer: „Ich respektiere, wenn jemand sagt, aus Gewissensgründen plädiere ich dafür, dass es eine Bewaffnung gibt und Rüstungslieferungen. Aber ich fand doch in der Debatte in den letzten drei Jahren heftig, dass die Gewissensentscheidung der Pazifistinnen und Pazifisten nicht akzeptiert wird, sondern sie als dumm, naiv, lächerlich und Putin-Versteher diffamiert worden sind.“ Sie habe es stets als „schwierig“ empfunden, „dass die, die den Kriegsdienst verweigern, ihr Gewissen prüfen lassen müssen vom Staat, aber nicht, die den Kriegsdienst leisten“, denn „die Gewissensfrage müssen sich beide Seiten doch stellen“.

Für Christinnen und Christen kommt es aus Sicht Käßmanns gegenwärtig umso stärker darauf an, die Hoffnung, dass „die Menschen in Frieden zusammenleben können“ „wachzuhalten“ und trotz aller Ernüchterung durch die geopolitische Lage „dafür ein[zu]treten, dass Gerechtigkeit, Frieden und auch Schöpfungsbewahrung weiter als Themen auf der Tagesordnung bleiben“.

Die gesamte Episode des Podcasts „Mit Herz und Haltung“ mit Margot Käßmann ist ab sofort unter www.lebendig-akademisch.de/podcast und in allen gängigen Podcast-Playern wie Spotify, YouTube oder Apple Podcasts abrufbar. 

KNA, jb