Rückblick auf die Orgelweihe in der Klosterkirche St. Marienthal
am 21. Dezember 2025
Ostritz/St. Marienthal. Wenige Tage vor Weihnachten konnte Bischof Heinrich Timmerevers am Sonntag, den 21. Dezember 2025, in der Klosterkirche St. Marienthal in Ostritz die neu errichtete große Orgel feierlich weihen. Nach Jahren der Planung und intensiver handwerklicher Arbeit fand damit ein bedeutendes Projekt seinen würdigen Abschluss. Zahlreiche Gläubige, Freunde des Klosters sowie Förderer und Beteiligte am Wiederaufbau nahmen an dem Gottesdienst zur Orgelweihe teil.
Die Zisterzienserinnen des Klosters St. Marienthal brachten ihre große Freude und Dankbarkeit über die Wiedererrichtung des Instruments zum Ausdruck, das künftig die liturgische und musikalische Gestaltung der Gottesdienste wesentlich bereichern wird. Gemeinsam mit dem Freundeskreis der Abtei St. Marienthal e.V. hatten sie zur Teilnahme an diesem besonderen Tag eingeladen.
Nach dem Festgottesdienst mit der Orgelweihe wurde ein vielfältiges Rahmenprogramm angeboten. Mehrfach führten Orgelbaumeister Johannes Vleugels (Hardheim) sowie Kirchenmusikdirektor Matthias Liebich (Dresden) interessierten Besucherinnen und Besuchern das Instrument vor und gaben fachkundige Einblicke in Technik, Klangkonzept und Wiedererrichtung. Den feierlichen Abschluss bildete am Nachmittag ein Orgelfestkonzert mit Kirchenmusikdirektor Thomas Seyda (Berlin), der das Klangspektrum der neuen Orgel eindrucksvoll präsentierte.
Die neue Orgel im historischen Gewand
Die große Orgel wurde auf der sogenannten Beamtenempore in das historische Orgelgehäuse aus dem Jahr 1862 eingebettet und mit der erweiterten kleinen Orgel auf der Schwesternempore kombiniert. Gesteuert wird das Ensemble über einen modernen Spieltisch am bisherigen Standort, der zugleich hochwassersicher installiert ist. Der eingelagerte historische Orgelprospekt wurde zuvor gesichtet, begast und fachgerecht restauriert. Damit verbindet das Instrument auf überzeugende Weise historische Substanz mit moderner Orgeltechnik.
Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Ein wichtiger Beitrag zur Realisierung des Projekts kam von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), die in diesem Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum begeht. Sie beteiligte sich am Wiederaufbau der großen Orgel sowie an der Instandsetzung und Restaurierung des historischen Orgelgehäuses mit 20.000 Euro. Bei der Orgelweihe war die Stiftung durch ihren Ortskurator Görlitz, Frank-Ernest Nitzsche, vertreten.
Kloster St. Marienthal zählt seit dem Jahr 2000 zu den mehr als 870 Denkmalen in Sachsen, die von der DSD aus privaten Spenden, Treuhandstiftungen sowie Mitteln der Lotterie GlücksSpirale gefördert werden konnten.
Historischer Hintergrund
Die Zisterzienserinnen-Abtei Marienthal liegt unmittelbar an der Neiße und wurde 1234 von König Wenzel II. von Böhmen gegründet. Nach der Zerstörung 1427 und mehreren Bränden wurde sie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts unter Äbtissin Anna Friedrich weitgehend neu errichtet. Die Kirche und die Abteigebäude sind aus dieser Zeit erhalten; zahlreiche Nebengebäude stammen aus dem frühen 18. Jahrhundert. Das Kloster wird bis heute als Zisterzienserinnen-Abtei genutzt.
Die letzte große Hauptorgel der Klosterkirche wurde 1862 erbaut. Nach mehrfachen Reparaturen musste sie 1986/1987 wegen Baufälligkeit und Schädlingsbefall abgetragen werden. Anlässlich des 750-jährigen Klosterjubiläums 1984 war ursprünglich ein neues Orgelensemble geplant, doch erst 1989 konnte zumindest die kleine Begleitorgel auf der Schwesternempore fertiggestellt werden, die viele Jahre zuverlässig ihren Dienst tat.
Der Wunsch nach einer vollwertigen großen Orgel blieb jedoch bestehen. Der Freundeskreis der Abtei St. Marienthal e.V. nahm diesen Impuls auf und setzte sich in den vergangenen vier Jahren mit großem Engagement für die Wiedererrichtung ein. Mit der feierlichen Weihe am vierten Adventssonntag 2025 fand dieses Vorhaben nun einen sicht- und hörbaren Höhepunkt.
Mit der neuen Orgel im restaurierten historischen Gewand verfügt die Klosterkirche St. Marienthal erneut über ein klangprächtiges und zugleich traditionsverbundenes Instrument, das über den liturgischen Gebrauch hinaus auch musikalische Akzente in der Region setzen wird.
Text: MB
Fotos: Torsten Fechner / Kloster St. Marienthal