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Bistum Dresden Meissen
Soziologe und Professor an der Humboldt-Universität: Prof. Dr. Steffen Mau.
31. März 2025

„Ungleich vereint. Zu den Nachwehen der DDR und der Wiedervereinigung"

Bautzener Rede mit dem Soziologen Prof. Steffen Mau am Freitag, 4. April 2025

Bautzen. „Ungleich vereint. Zu den Nachwehen der DDR und der Wiedervereinigung" - unter diesem Titel wird mit dem Soziologen Prof. Dr. Steffen Mau am Freitag, 4. April 2025, um 19 Uhr im Dom St. Petri zur nächsten Bautzener Rede eingeladen. Bereits um 18 Uhr beginnt an derselben Stelle das wöchentliche Friedensgebet.

Diskussionen über den Osten Deutschlands und das Verhältnis zwischen Ost und West sind wieder auf der Tagesordnung – sei es anlässlich runder Jubiläen, nach Protesten oder angesichts der Wahlergebnisse in Ostdeutschland. Rund 35 Jahre nach der Wiedervereinigung scheint sich das Land vor allem in einem einig zu sein, nämlich im Uneins-Sein. Häufig entsteht dabei der Eindruck, dass sich die Debatte im Kreis dreht. Auf Vorwürfe folgen Gegenvorwürfe: „Ihr seid diktatursozialisiert!“, heißt es aus dem Westen. „Ihr habt uns ökonomisch und symbolisch klein gemacht“, heißt es aus dem Osten. Zu dieser Lage meldet sich bei der nächsten Bautzener Rede am kommenden Freitag der „gefragteste Gesellschaftsdeuter im Land“ (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) zu Wort.

Ostdeutsche Eigenständigkeit 

Die zentrale These des Wissenschaftlers lautet: Es sind die Erfahrungen in der DDR und in den Wendejahren, die dazu führen, dass der Osten auch in Zukunft anders bleiben wird – ökonomisch, politisch, aber auch in Bezug auf Mentalität und Identität. Steffen Mau, geboren 1968 in Rostock, ist Professor für Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er wächst an der Ostsee auf – und kennt die DDR aus eigenem Erleben. Er weiß von den Kränkungen der Ostdeutschen, die auf der schnellen Wiedervereinigung und den daraus folgenden gebrochenen Biografien fußen. Er kann das Gefühl vieler nachvollziehen, von oben regiert worden zu sein, und versteht die Skepsis gegenüber Autoritäten und Institutionen.

Als Soziologe beschäftigt sich Steffen Mau mit den großen Konfliktlinien der Gegenwart - mit Migration, mit Ost-West-Gegensätzen, mit Ungleichheit und Ungerechtigkeit. Er ist gefragter Interviewpartner und häufig in Fernseh-Talkshows zu Gast. Sein Buch „Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft“ stand auf Platz 1 der Sachbuch-Bestenliste von ZDF, Zeit und Deutschlandfunk Kultur. 2021 erhielt er den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Gemeinsam mit Thomas Lux und Linus Westheuser ist er Autor des 2023 erschienenen Buchs „Triggerpunkte – Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft“. Sein jüngstes Werk heißt „Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt“.

Der ostdeutsche Weg

Über das Buch schreibt der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk: „Steffen Mau analysiert sachlich, nüchtern, fast überragend leidenschaftslos – wie ein überzeugter Hanseat, aber voll bei der Sache und an der Sache – den Weg Ostdeutschlands. Er schreibt keine Geschichte, schon gar keine neue, sondern untersucht systematisch und analytisch soziokulturelle Indikatoren und ihre Dynamik. Herauskommt ein Bild Ostdeutschlands, das nicht neu, das aber nur selten so präzise, scharf und überzeugend gemalt worden ist.“ Kowalczuk selbst wird am 9. Mai 2025 Gast der Bautzener Reden sein.

„Es gibt noch viel Gesprächsbedarf über Ost und West", sagt Steffen Mau – und freut sich über die Diskussion mit dem Publikum im Anschluss an die Bautzener Rede. Zu dem Gesprächsformat lädt seit November 2022 die Initiative „Bautzen gemeinsam“ in Kooperation mit dem Verein „Ökumenischer Domladen“ ein. Die Gruppe vereint Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Wirtschaft, Kultur, Bildung und Kirche. Ihre Vision ist ein positives und vielfältiges Miteinander in der Stadt.