Altarverhüllung in der Fastenzeit in Chemnitz
Sabine Herrmanns „Zeuginnen ohne Text“ von 2023 verbleibt als Geschenk dauerhaft in der Propsteikirche St. Johannes
Chemnitz. Nachdem es bereits zweimal in der Chemnitzer Propsteikirche St. Johannes Nepomuk (Hohe Straße 1) zu sehen war, wird das Kunstwerk “Zeuginnen ohne Text” auch dieses Jahr in der Fastenzeit wieder den Altar der Kirche verhüllen. Die Künstlerin Sabine Herrmann schenkt das Kunstwerk zudem dauerhaft der Gemeinde. Zur Vernissage mit einer Festansprache von Diana Kopka, Kunstsammlungen Chemnitz, wird am Dienstag, 17. Februar 2026, um 18 Uhr vor Ort eingeladen. Eine Besichtigung des mit Pigmenten, Acryl, Bleistift und Kreide auf Papier gefertigen großformatigen Werks ist anschließend bis 4. April jeweils von Dienstag bis Freitag, 14 bis 18 Uhr, sowie im Umfeld der Gottesdienste und nach telefonischer Absprache unter 0371 / 304 085 möglich.
Zum Kunstwerk
Zum Auftakt der Reihe der Altarverhüllungen im Kontext der Kulturhauptstadt entstand 2023 aus dem Dialog der Berliner Künstlerin Sabine Herrmann und Mitgliedern der Chemnitzer Propsteigemeinde ein Kunstwerk. Dieses wurde in der Fastenzeit 2023 erstmals aufgehängt in der sonst von einer Skulptur des Auferstandenen dominierten Apsis der Propsteikirche St. Johannes Nepomuk. 2025 wurde das Fastentuch erneut ausgestellt und soll die Gemeinde auch in der bevorstehenden Fastenzeit begleiten
.Als Altarverhüllung spielt das Kunstwerk mit der Thematik des Sehens, Verbergens und neu Entdeckens von dem, was den Augen gewohnt war. Der Titel des Kunstwerkes spielt auf die in den biblischen Texten bezeugte Präsenz von Frauen am Kreuzweg Jesu an. Wortfetzen davon werden auf dem Kunstwerk mit Bleistift zitiert. Es fällt auf: Es wird in den Leidensberichten über die Frauen erzählt. Sie haben keine wörtliche Rede, keinen eigenen Text, der aufgeschrieben worden wäre: Ungesehen und ungehört sind sie.
Sabine Herrmann geboren 1961 in Meißen, studierte Malerei von 1981 bis 1986 an der HfBK Dresden, an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, sowie 1991 an der École Nationale Supérieure d’Arts de la Villa Arson in Nizza. Ihre Werke wurden in zahlreichen institutionellen Einzelausstellungen gezeigt; u. a. in der Galeria Test Warszawa, im KW Institut for Contemporary Art Berlin, im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst Cottbus und im Zentrum für aktuelle Kunst Berlin. Mit ihren Arbeiten war sie an vielen thematischen Ausstellungen beteiligt, beispielsweise im La Villette Paris, im Bundeskanzleramt Berlin, im Museum-Barberini Potsdam, im Museum der bildenden Künste Leipzig und derzeit im Hamburger Bahnhof Nationalgalerie der Gegenwart Berlin. Sie lebt und arbeitet in Berlin.