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Bistum Dresden Meissen
Obwohl sich Theresia Kubasch in ihrer seelsorgerischen Arbeit immer voll eingesetzt hat, stand sie eher im Hintergrund. © Rafael Ledschbor
21. Mai 2026

Stiller und mehr im Hintergrund stehender Dienst

Goldenes Jubiläum der Gemeindereferentin Theresia Kubasch

Bautzen. Obwohl sich Theresia Kubasch in ihrer seelsorgerischen Arbeit immer voll eingesetzt hat, stand sie eher im Hintergrund. Und das nicht deshalb, weil das letzte der fünf Kinder des Lehrers und Schriftstellers Jurij Kubasch aus Räckelwitz und seiner aus Ralbitz stammenden Ehefrau Agnes geborene Schewtschick ist.

Vor fünfzig Jahren am 30. April, wurde Theresia Kubasch als Seelsorgehelferin vom Bischof gesendet und feiert dieser Tage ihr goldenes Jubiläum, das ebenfalls mehr im Hintergrund steht als eine goldene Hochzeit oder ein goldenes Priester- oder Ordensjubiläum. Sie feiert dieses goldene Jubiläum ja auch nicht groß, möchte ihren Beruf aber dennoch gerne bekannter machen.

Weder Bibliothekarin noch Dolmetscherin

Als Theresia Kubasch am 1. Juli 1939 in Oederan das Licht der Welt erblickte, durfte ihr Vater nicht als Lehrer unter den Sorben wirken. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich die Familie wieder in der Lausitz ansiedeln. Nachdem Theresia Kubasch 1957 in Bautzen das Abitur abgelegt hatte, wollte sie studieren und Bibliothekarin werden. Weil sich aber ihr fünf Jahre älterer Bruder Bosco auf den Priesterberuf vorbereitete und ein Jahr später geweiht wurde, konnte sie das aufgrund der damaligen politischen Umstände nicht. Deshalb begann sie als Redaktionsassistentin im Lektorat für Lehrbücher im Bautzener Domowina-Verlag zu arbeiten. „Dr. Paul Völkel wäre bereit, mir einen Studienplatz zu besorgen, damit ich Dolmetscherin werden kann. Das Kollektiv, dem ich damals angehörte, aber hat dagegen gestimmt“, erinnert sie sich etwas traurig, räumt aber zugleich ein: „Ich bin aber nicht so ein Mensch gewesen, der sich durchgesetzt hat.“ Danach hat sie ihren Arbeitsplatz in Bautzen geändert und wirkte von 1960 bis 1966 in der sorbischen Druckerei als Korrektorin. Und nebenbei erlernte sie den Beruf der Schriftsetzerin.

Erzgebirge

Vor 60 Jahren begann Theresia Kubasch für die Kirche zu arbeiten. Weil beim Bruder Bosco, der damals Vikar im Eibenstock im Erzgebirge war, eine Seelsorgehelferin ausgefallen war, hat sie ihm ihren Dienst angeboten. Bei ihm sollte sie sich nicht nur um den Haushalt kümmern. „Viel Ahnung von Religion hatte ich damals nicht“, reflektiert sie heute, „aber die Grundlagen der Seelsorge habe ich durch ihn gelernt.“ Ihr religiöses Wissen hat sie sich im Selbststudium angeeignet, sodass sie die sogenannte kleine Missio canonica bekam. Mit ihr vertraut ein Bischof einer Person an, Religionsunterricht zu erteilen – damals natürlich nur außerhalb der Schule. Ihr Bruder Bosco aber starb im Juli 1972, als er in der damaligen Tschecho-Slowakei unterwegs war, 38jährig an einem Herzinfarkt. Theresia Kubasch blieb auf Bitte des bischöflichen Ordinariats noch ein halbes Jahr in Eibenstock. „Gleich nach der Beerdigung kam ich dorthin zurück, um die bereits geplante Religiöse Kinderwoche durchzuführen und mich um weitere seelsorgerische Aufgaben zu kümmern. Von nun an wusste ich, dass Bosco für mir erbeten hatte, meine Aufgabe im Weinberg Jesu zu erkennen“, erinnert sich die Radiborerin.

Die schönste Zeit

Bald aber wies ihr der Personalreferent Georg Weinhold – wenig später Weihbischof – die Kamenzer Pfarrgemeinde zu, um dort weiterzuarbeiten. Theresia Kubasch freute sich, dass sie mit Veronika Scholze, die in Ralbitz war, eine sorbische Kollegin in der Nähe haben wird. „Dann erfuhr ich aber, dass sie heiratet. Deshalb hätte ich niemanden mit ähnlicher Arbeit in der Nähe. Endlich entschied ich mich auf Empfehlung von Weihbischof Weinhold für die Ausbildung im Katechetischen Seminar in Magdeburg“, erzählt sie und betont sofort, „das war meine schönste Zeit.“ Die Gegebenheiten waren nicht gerade rosig. Die jetzige Jubilarin hatte als damals 35-Jährige nicht einmal ein Zimmer für sich allein. Die Dienstwohnung in Kamenz musste sie während des Studiums aufgeben, aus der elterlichen Wohnung war sie bereits längst ausgezogen. „Ich hatte nichts Eigenes, nicht einmal eine persönliche Ecke, wo ich allein beten könnte“, ist ihr heute noch sehr bewusst. Die Ausbildung dauerte eigentlich drei Jahre, eins aber wurde ihr wegen Erfahrungen in der Seelsorgearbeit erlassen.

Im Mai 1976 konnte sie in Ralbitz als Seelsorgerin beginnen. Dekan Georg Herrmann hatte am ersten Mai-Sonntag den neuen Pfarrer Martin Lehmann eingeführt. Für Theresia Kubasch begann dort am Tag danach ihr Dienst. An ihrer Sendung am 30. April durch den Weihbischof Georg Weinhold im Bautzener Dom nahm außer ihren Eltern und ihrer Schwester kaum jemand von den katholischen Sorben teil. Beim Gottesdienst hat sie gemeinsam mit Heidemarie Köhler das Versprechen abgelegt, eine angezündete Kerze als Zeichen bekommen, dass sie Jesus als Licht der Welt den Menschen tragen sollte, und in seelsorgerisches Wirken gesendet wurde.

Im sorbischen Niederland

In Ralbitz unterrichtete Theresia Kubasch die Religion – täglich bis zu vier Stunden, die sie auch vorbereiten musste. In dieser Zeit durfte ich sie als fröhliche und einem Witz nicht abgeneigte Lehrerin erleben. Die letzten Minuten hat sie uns fast immer einen kurzen Ausschnitt aus dem Buch „Pippi Langstrumpf“ oder einem anderen frei auf Sorbisch wiedergegeben. Religiöse Kinderwochen vorbereiten und durchführen war ebenfalls eine ihrer Aufgaben. Als ich Abiturient war, durfte ich ihr als einer von mehreren Helfern zur Seite stehen. Später haben wir die Religiöse Kinderwochen – damals auch noch speziell für die Königswarthaer Kinder – gemeinsam vorbereitet und durchgeführt.

Aufgabenwechsel

In der Zeit der politischen Wende kam Theresia Kubasch nach Radibor. Von 1990 bis zum Renteneintritt am 1. Juli 1999 hat sie dort die längste Zeit mit Pfarrer Clemens Rehor gewirkt – jetzt nicht mehr unter dem Begriff Seelsorgehelferin, sondern Gemeindereferentin. Weil der Religionsunterricht in Radibor inzwischen als Schulstunde angeboten wurde, hat sie ihn jetzt eher in den Dörfern am Rand der Gemeinde in deutscher Sprache unterrichtet. „Die Kinder haben mich nur eine Stunde pro Woche, und zwar noch die letzte, gesehen“, bedauert sie, weil sie zu ihnen dadurch keine genügend gute Verbindung aufbauen konnte. Dem damaligen Bischof von Dresden-Meißen Joachim Reinelt sagte der jetzigen Jubilarin klar, wie schade es sei, dass mit dem Religionsunterricht in der Schule auch die Katechese im Pfarrhaus aufgegeben wurde.

Reisen und alter Katolski Posoł

Länger als ein Vierteljahrhundert ist Theresia Kubasch zwar im Ruhestand, hat aber ihre Hände in nicht den Schoß gelegt, sondern auch weiterhin Kantor- und Lektorendienst in Radibor übernommen. Eine der neuen Aufgaben waren Pilger- und andere Busfahrten mit sorbischen Gruppen, die sie von 2005 bis 2020 geleitet hat. Dem Katolski Posoł, der Zeitschrift der katholischen Sorben, ist sie weiterhin treu. Jahrzehntelang hat sie immer wieder über Ereignisse oder zu Jahrestagen Beiträge veröffentlicht. Monatlich tut er das weiter in der Rubrik „Katolski Posoł vor 100 Jahren“, was unter vielen Lesern sehr beliebt ist. Anfang 2013 hat sie damit begonnen, dass sie alle hundert Jahre alten Ausgaben unserer Zeitschrift durchblättert, nach Interessantem sucht und daraus einen Beitrag zusammenstellt, wobei sie auch immer wieder Parallelen zur jetzigen Zeit bildet.

Wir danken der goldenen Jubilarin für ihren stillen und mehr im Hintergrund stehenden, aber überaus wichtigen Dienst für der Verkündigung Jesu guter Botschaft. Von ihm lebt sie selbst offensichtlich. Vorbildlich ist sie ja gerade auch deswegen, weil sie sich nicht in den Mittelpunkt stellt, sondern auch, weil sie sehr herzlich ihre eigenen kleinen Pannen laut lachen kann.

Quelle:  Katolski Posol/Rafael Ledschbor