Positionspapier „Sieben Erwartungen“ wird vorgestellt
auf der Veranstaltung „Mission (von) gestern. Zur Kritik der christlichen Mission im Kolonialismus“ am Donnerstag, 27. März, in Chemnitz
Leipzig. Am heutigen Donnerstag, 27. März, wird das Positionspapier „Sieben Erwartungen“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Es wendet sich an katholische wie evangelische Kirchenmitglieder in Sachsen und ist ein Ergebnis des ökumenischen Arbeitskreises „Postkoloniale Perspektiven in der kirchlichen Bildungsarbeit“, in der engagierte Menschen aus der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens sowie dem Bistum Dresden-Meißen seit gut zwei Jahren zusammenarbeiten.
Die Mitwirkenden eint das Bestreben, gemeinsam Perspektiven für eine gerechte Welt zu finden und dabei insbesondere die im Kolonialismus wurzelnde Unterdrückungsgeschichte des globalen Südens in den Blick zu nehmen. Sie wünschen sich, dass sich Christinnen und Christen kritisch mit ihrer eigenen Haltung gegenüber Menschen auseinandersetzen, die nicht ihrer eigenen sozialen, religiösen, geografischen oder ethnischen Herkunft entsprechen.
„Wir möchten mit dem Papier den aktuellen Diskussions- und Dialogprozess über notwendige Veränderungen in den Kirchen und unseren Gemeinden, aber auch im persönlichen Handeln eines jeden Christen und Christin hin zu einer zukunftsgerechten Kirche unterstützen.“, so Dr. Mathias Piwko, Leiter Dialogforum Demokratie im IBZ St. Marienthal und Mit-Initiator des Arbeitskreises. „Wir müssen uns der Verantwortung der Kirchen in der Vergangenheit stellen. Nur so ist die Vergebung möglich, die uns allen eine bessere Zukunft schenkt.“
Antje Lanzendorf vom Leipziger Missionswerk ergänzt: „Wir wünschen uns, dass in Gremien und Gemeinden über das Papier gesprochen wird. Wenn die in den sieben Erwartungen formulierten Themen zu Gesprächen führen, haben wir unser Ziel erreicht. Dabei soll es vor allem um gemeinsame Wege hin zu einer Kirche gehen, in der sich alle Menschen zu Hause fühlen, weil sie nicht nur von Gott, sondern auch in der Gemeinde willkommen sind.“
Über dem Text steht die Jahreslosung „Prüfet alles und das Gute behaltet“ (Thessalonicher 5,21). So ist das Papier als Vorlage für eine kritische Bestandsaufnahme zu sehen: Wo sind die Erwartungen bereits erfüllt? Wo braucht es weitere Schritte? Was fehlt? Was geht zu weit?
Das Positionspapier wird auf der Veranstaltung „Mission (von) gestern. Zur Kritik der christlichen Mission im Kolonialismus“ in der Reihe „Mission. Macht. Message.“ am 27. März in Chemnitz vorgestellt. Die Veranstaltung findet mit dem Projekt [open] perspectives in Kooperation mit dem Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal und in Kooperation mit den Sächsischen Entwicklungspolitischen Bildungstagen statt.
Eine weitere Veranstaltung ist im Spätsommer geplant, bei der auch Bildungsmaterial des Arbeitskreises zum Thema „Mission und Kolonialismus“ präsentiert werden wird.
Mission (von) gestern – Zur Kritik der christlichen Mission im kolonialen Kontext
27. März 2025, 19:30 – 21:30, Eduard-Theodor-Böttcher-Bau (Altes Heizhaus), Straße der Nationen 62, 09111 Chemnitz OT Zentrum (Veranstaltung der Reihe „Mission. Macht. Message.“)
Bis heute wirken koloniale Erinnerungen und missionarisches Handeln in die Kirchen hinein. Worte wie auch Konzepte, Denken und Handeln sind oft geprägt von unaufgearbeiteten Mustern aus der Zeit des deutschen und diversen Missionsbewegungen im Globalen Süden.
Wollen wir eine Kirche aller leben, müssen wir verschiedene Perspektiven eröffnen und Geschichte reflektieren. Während die trostspendenden Elemente der Glaubensvermittlung oft zitiert werden, fehlt häufig eine verantwortungsvolle Aufarbeitung des gewalttätigen Teils der Missionierung und der Verstrickungen in die koloniale Machtanwendung.
Um kirchliches Leben heute in die Gesellschaft zu tragen wünschen sich Christ*innen eine bewusste, verantwortungsvolle, demütige, nach-vorn-schauende, transformative Aufarbeitung dieser schmerzhaften Zeit in unserer gemeinsamen Geschichte.
Der Vortrag zeigt Anknüpfungspunkte zur gewaltvollen Missionsgeschichte der Kirchen und wägt verschiedene Schritte der Aufarbeitung ab. Der Referent beginnt beim Ev.-Luth. Missionswerk Leipzig als der bedeutendsten lutherischen Missionsgesellschaft des 19. Jahrhunderts und weitet dann den Blick auf die protestantischen Weltmission, bevor er Thesen zum Thema Mission in postkolonialer Perspektive zur Debatte stellt.
Als erster Teil der Reihe „Mission. Macht. Message“ bildet er der Vortrag die Basis, um einen zeitgemäßen Missionsbegriff für postkoloniale Kirchen zu diskutieren.
Ravinder Salooja ist Hochschulpfarrer und Missionswissenschaftler. Bis 2022 leitete er das Ev.-Luth. Missionswerk Leipzig. Er lebt derzeit in Tübingen.
Die Veranstaltung der Katholischen Akademie findet im Rahmen des Projektes [open] perspectives in Kooperation mit dem Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal statt.
Text: Antje Lanzendorf, Evangelisch-Lutherisches Missionswerk Leipzig e. V.