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Bistum Dresden Meissen
Dr. Matthias Kopp bei seinem Vortrag in Dresden. © Michael Baudisch
17. März 2026

Archäologe, Theologe, Pressesprecher: Der Indiana Jones von Bonn

Dr. Matthias Kopp sprach im Dresdner Kathedralforum über die Lage der Christen im Irak

Dresden. Als Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz ist Dr. Matthias Kopp regelmäßig in den Medien präsent und erklärt die Entwicklungen und Fragen der katholischen Kirche in Deutschland. Doch der Theologe und Medienexperte hat noch eine andere Passion. Als studierter Archäologe gilt er als ausgewiesener Experte der Lage im Nahen Osten und dabei besonders im Blick auf das christliche Leben der Region. Im Dresdner Kathedralforum stellte er gestern (16. März) die Analysen seines im Jahr 2025 erschienenen Buchs „Iraks christliches Erbe. Vom Überleben im Zweistromland“ (Verlag Herder) in den Mittelpunkt.

Kopp bereiste den Nahen Osten jahrzehntelang, lebte unter anderem ein Jahr in Syrien und kennt die Region aus erster Hand. Auch am Morgen des Veranstaltungstages in Dresden war er erst von einem Aufenthalt in Ägypten zurückgekehrt. So rückte sein Vortrag neben einem umfassenden Überblick über die Situation der christlichen Kirchen im Irak – zu diesem Thema hat er promoviert – zugleich die Gesamtlage im Nahen Osten in den Blick.

Auf besonderer Mission im Irak

Christen sind im Irak seit der Antike zu Hause, doch besonders seit dem Sturz Saddam Husseins 2003 und dem Terrorregime des „Islamischen Staats“, der weite Teile des Landes eroberte, kam es zu gewaltsamen Übergriffen auf sie. Viele haben den Irak verlassen. Kopp gab neben einer Einordnung aktueller Entwicklungen zugleich spannende Einblicke in das diplomatische Agieren des Heiligen Stuhls in der Region. Etwa wenn er anschaulich von seiner eigenen Delegationsteilnahme an einer Fahrt mit einem französischen Kardinal im Jahr 2003 unmittelbar vor Kriegsbeginn nach Bagdad berichtete, um vor Ort Saddam Hussein zur Aufgabe und der Möglichkeit eines Exils im Vatikan zu überzeugen. Oder von seiner gemeinsamen Einreise mit dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick als Vorsitzendem der Kommission Weltkirche  der Deutschen Bischofskonferenz 2014 ins vom Bürgerkrieg gemarterte Syrien, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen.

Nüchtern sprach er über dramatische Erfahrungen vom Reisen in Krisenregionen mit bis an die Zähne bewaffneten Sicherheitskräften, von Dollarscheinen, um Straßen-Kontrollpunkte von Terror-Splittergruppen passieren zu dürfen oder Zugang zu den Menschen in einem Flüchtlingslager zu finden. Er erinnerte an das Schicksal der Jesiden, beschrieb das Wirken der christlichen Kirchen im heutigen Irak – etwa mithilfe der Caritas oder beim Betrieb einer Klinik durch Ordensfrauen - und rief nicht zuletzt die Reise von Papst Franziskus in den Irak 2021 ins Gedächtnis, die vor Ort bis heute dankbar in Erinnerung ist.

Text/Fotos: Michael Baudisch


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